Eine Idee wird Tradition

 

Das „Keschde-Theater" Dannenfels

 

Alles begann im Spätsommer 1999. Die Dannenfelser „Kerb", die alljährlich im Juli gefeiert wird, war vorbei. An allen Kerwetagen hatten Veranstaltungen stattgefunden, nur am Samstagabend war wieder nichts los gewesen in Dannenfels. Sowohl die offiziellen Vertreter des Ortes als auch die beim Kerwegeschehen tätigen Vereine und Gruppen machten sich Gedanken, wie man die Kerweaktivitäten auf den Samstag ausdehnen könnte. Es musste etwas her, was alle Einwohner, altersübergreifend, ansprechen würde. Auch die damals noch aktive Wählergruppe LOGO, in der sich die Jugendlichen des Dorfes zu politischen Zwecken organisiert hatten, hatte sich zum Ziel gesetzt, den Kerwesamstag zu gestalten.

Nach Erörterung unterschiedlicher Vorschläge für diesen Tag kam man auf die Idee, eine in früheren Zeiten in Dannenfels intensiv gepflegte Tradition wieder aufleben zu lassen: das Theaterspielen. Dieses Vorhaben begeisterte alle Dannenfelser, ob jung, ob alt. Schauspielerische Talente waren inner- und ausserhalb der Wählergruppe schnell gefunden. Nun stellte sich die Frage, wo man in Dannenfels die Theateraufführungen, die alle interessierten Einwohner besuchen können sollten, wohl durchführen könnte. Das „Haus Linn" war 1999 bzw. 2000 erst in der Planung. Zudem war hier kein Raum vorgesehen, der eine grössere Anzahl von Zuschauen fassen konnte und den Einbau einer ausreichend großen Bühne erlaubte. Das „Haus der Vereine" (Feuerwehrhaus) war zu klein, die Turnhalle erschien viel zu gross. Ausserdem war hier die feste Installation einer Bühne ausgeschlossen, da die Halle täglich für Schule und Sportveranstaltungen zur Verfügung stehen muss und somit ein regelmässiger Probebetrieb unmöglich gewesen wäre.

Die naheliegendste Idee kam vor Ort, im „Jagdhaus". Dieses verfügt über einen einigermassen großen Saal. Nachdem der derzeitige Pächter der Gaststätte dem Bau einer Bühne im Saal - eigens für das Theater - zugestimmt hatte, war das Problem des Aufführungsortes gelöst. In etwa 300 Arbeitsstunden wurde von mehreren Helfern in professioneller Art und Weise eine Bühne in eine Saalecke eingebaut. Die Bühne wird seither jedes Jahr, - wie die Presse des Öfteren bestätigt hat, - liebevoll entsprechend den Vorgaben des aktuellen Stückes gestaltet; das Bühnenbild schafft die notwendige „intime Atmosphäre" für die Theateraufführung. Allerdings bietet der Saal nur etwa 130 Sitzplätze, es musste aber davon ausgegangen werden, dass mehr als 130 Dannenfelser an einer Theateraufführung interessiert sein würden; das bedeutete, dass eine Vorstellung wohl kaum ausreichen würde. So kam es auch. Was eigentlich nur für den Kerwesamstag gedacht war, weitete sich schnell über das Kerwewochenende aus. Nachdem die beiden ersten Male (2000 und 2001) nach der Kerwe drei weitere Vorstellungen gegeben werden mussten, um die Nachfrage nach Theaterkarten zu befriedigen, waren es ab dem Jahr 2002 bereits insgesamt fünf Veranstaltungen, wobei am Kerwesamstag immer die Premiere stattfindet und mittlerweile den Höhepunkt der gesamten Kerweveranstaltungen bildet. Jährlich sehen ca. 650 Zuschauer die Darbietungen des Theaters.

Für die Theatergruppe wurde schnell ein geeigneter Name gefunden. Dannenfels ist geprägt durch die Kastanie, die Keschde. Es lag nahe, dieses Wahrzeichen des Dorfes in den Namen des Theaters aufzunehmen. Und so kam man ohne lange Diskussionen zu der Entscheidung, der Einrichtung den Namen „Keschde-Theater" zu geben. Doch mit dem Namen gab man sich noch nicht zufrieden. Das Theater sollte sich von anderen vergleichbaren Schauspielgruppen deutliche unterscheiden. Jedes Theater in einer grösseren Stadt hat ein eigenes Orchester und einen Intendanten. Warum sollte das in Dannenfels nicht auch so sein? Eine kurze Anfrage beim örtlichen Musikverein löste das erste Problem augenblicklich. Etwa zehn Musiker des Musikvereins Dannenfels erklärten sich bereit, die Aufführungen musikalisch mit auf das jeweilige Theaterstück abgestimmten Darbietungen zu begleiten. Schnell hatte auch die Musikgruppe ihren Namen weg: die Keschde-Combo. Einen Intendanten fand man nicht, aber etwas Ähnliches. Jede Aufführung wurde vom amtierenden „Keschdekopp", vergleichbar einer Weinkönigin in Weingegenden oder eines „Bierkönigs", eröffnet. Hierauf müssen die Zuschauer zwar seit 2003 verzichten, nicht aber auf mittlerweile bekannte und auch jährlich neue Gesichter bei den Darstellern.

Mittlerweile zählt das „Keschde-Theater" 16 Akteure, von denen sechs von Anfang an und zwei seit der zweiten Aufführung im Jahr 2001 dabei sind. Die jährliche Kritik seitens der Presse bestätigt den Laienschauspielern eine hohe Professionalität, die einem Vergleich mit Berufsschauspielern durchaus standhält. Gelobt wird im Besonderen die unverfälschte Mundart der Akteure, was in einem Fall sogar zu der Ehrenbezeichnung eines Darstellers als „erzkommödiantisches Urgestein" geführt hat. Unterstützt werden die Schauspieler im Hintergrund von drei Helfern, die im wesentlichen für die Technik und sonstige organisatorische Belange verantwortlich sind oder auch die Aufgabe der Souffleuse/des Souffleurs übernehmen. Zudem kommen bei jeder Aufführung so genannte „Vorhangkinder" zum Einsatz, deren Aufgabe es ist, vor und nach jedem Akt den Vorhang auf- und zuzuziehen. Hiermit soll bereits den Jüngsten Gelegenheit gegeben werden, „Theaterluft zu schnuppern", um später vielleicht selbst mal als Darsteller aktiv zu werden. Erwähnenswert ist, dass die Gruppe bewusst ohne Regisseur agiert. Das gesamte Probeaufkommen erfolgt in Teamarbeit, im Team werden auch alle notwendigen Entscheidungen - von der Auswahl des Stückes über die Besetzung der Rollen bis zur Bestimmung von darstellerischen Details - getroffen.

Von Anfang an war es Ziel der Initiatoren des Keschde-Theaters, die Zuschauer zum Lachen zu bringen. Ernsthafte Stücke waren nie Thema des Theaters und sollen es auch in der Zukunft nicht sein. So wurden in den letzten zehn Jahren Schwanke unterschiedlicher Autoren in Dannenfelser Mundart aufgeführt. Dies waren im Einzelnen:

 

Was anfangs vornehmlich für die Einheimischen gedacht war, wurde schnell über Dannenfels hinaus bekannt. Es ist zu beobachten, dass neben den Einwohnern der Gemeinde immer mehr Zuschauer aus der näheren, aber auch der weiteren Umgebung nach Eintrittskarten fragen, inspiriert durch Zeitungsberichte über die gelungenen Darbietungen oder auch durch Freunde und Bekannte, die in Vorjahren Gäste des Theaters waren. Zunehmend melden sich die Theatergruppen anderer Orte im Umkreis an, um die „Professionalität" des Dannenfelser Keschde-Theaters zu bewundern. Da bleibt es abzuwarten, ob bei der steigenden Nachfrage das Vorhaben der Gruppe, maximal fünf bis acht Vorstellungen pro Jahr zu geben, beibehalten werden kann....

 

04.09.2011

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